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Pflanzenwurzeln nach der Ernte im Boden lassen: Was dabei im Gartenboden passiert

Person schneidet Setzlinge im Hochbeet, daneben frisches Gemüse in einem Korb.
In diesem Artikel
  1. Als ich aufhörte, Pflanzenwurzeln aus dem Boden zu reissen
  2. Pflanzenwurzeln im Beet lassen, ohne ihm zu schaden
  3. Die stille Veränderung unter unseren Füssen

Als ich zum ersten Mal eine Reihe abgestorbener Bohnenpflanzen stehen liess, glaubte mein Nachbar, ich hätte den Garten aufgegeben. Die Hülsen waren vertrocknet, die Blätter verschwunden, und zurück blieb ein Gewirr aus brüchigen Stängeln und vergessenen Stützstäben. Nach der Ernte war ich erschöpft und hatte ehrlich gesagt einfach keine Kraft, alles herauszureissen. Also schnitt ich die oberirdischen Teile ab, warf sie auf den Kompost und ging weiter. Die Wurzeln blieben wie ein Geheimnis in der Erde verborgen.

Dann kam der Winter. Regen prasselte auf die Beete, Stiefel liefen über die Wege, und ich stellte mich schon auf den üblichen Frust im Frühling ein: Erdklumpen, Verdichtung und jene hartnäckigen Erdbrocken, an denen Werkzeug und Geduld gleichermassen scheitern.

Doch diesmal geschah etwas Seltsames.

Als ich aufhörte, Pflanzenwurzeln aus dem Boden zu reissen

Im Frühling drückte ich meine Hand in das Beet, in dem die Bohnen gestanden hatten. Die Erde gab weich nach, fast wie ein Schwamm. Von der dichten, leblosen Platte, mit der ich in früheren Jahren gerungen hatte, war nichts mehr zu spüren. Dunkel, feucht und beinahe seidig zerfiel der Boden zwischen meinen Fingern. In jeder Handvoll wanden sich Regenwürmer vor dem Licht davon. Ich stand mit der Hand in der Erde und war seltsam stolz auf etwas, das ich eigentlich gar nicht getan hatte.

Der einzige Unterschied? Die Wurzeln waren noch immer unten im Boden und zersetzten sich ganz unauffällig.

Ein paar Wochen später säte ich Karotten in dasselbe Beet. Sonst musste ich mich für gerade, gleichmässige Reihen richtig abmühen. Diesmal glitten die Samen mühelos in die feine, lockere Oberfläche. Die Karotten keimten rasch und wuchsen stetig, ihr Laub wurde dicht und üppig. Bei der Ernte glitten die orangefarbenen Wurzeln schon bei leichtem Ziehen aus der Erde.

Im Nachbarbeet, das ich im Herbst zuvor „ordentlich aufgeräumt“ und von jeder einzelnen Wurzel befreit hatte, zeigte sich das Gegenteil: lückenhafte Keimung, mehr verzweigte Karotten und härterer Boden. Es waren dieselben Samen und dieselbe Gärtnerin beziehungsweise derselbe Gärtner, doch unter der Oberfläche spielte sich eine andere Geschichte ab.

Was ich zufällig entdeckt hatte, folgt einer einfachen Logik. Wurzeln verankern Pflanzen nicht nur, sie formen auch den Boden. Beim Wachsen dringen sie durch winzige Zwischenräume und schaffen Kanäle für Luft und Wasser. Stirbt die Pflanze ab, verschwinden ihre Wurzeln nicht einfach. Sie verrotten langsam und werden zu kleinen Röhren, die mit organischer Substanz ausgekleidet sind. Mikroorganismen ziehen ein, Pilze besiedeln die Hohlräume und Regenwürmer nutzen sie wie unterirdische Schnellstrassen.

So entsteht ein natürliches Netz aus Poren und Gängen, das kein Spaten nachbilden kann. Mein fauler Herbst hatte unbeabsichtigt eine Werkstatt stiller Helfer eingerichtet, die den ganzen Winter über den Boden umgestalteten.

Pflanzenwurzeln im Beet lassen, ohne ihm zu schaden

Der grundlegende Handgriff ist fast beschämend einfach: Statt die ganze Pflanze zu packen und herauszureissen, schneidet man sie an der Basis ab und lässt das Wurzelwerk in der Erde. Ich nehme eine scharfe Gartenschere oder ein Messer mit Wellenschliff und trenne den Stängel knapp über der Bodenoberfläche ab. Die oberirdischen Pflanzenteile kommen auf den Kompost oder auf einen separaten Haufen. Die unterirdischen Teile bleiben dort, wo sie sind – unsichtbar und weiterhin beschäftigt.

Bei robusteren Pflanzen wie Sonnenblumen oder Kohlgewächsen bewege ich den Stängel manchmal vorsichtig hin und her, um ihn ein wenig zu lockern. Danach schneide ich ihn so tief wie möglich ab. Dabei soll der Boden möglichst wenig gestört werden. Man kann es sich vorstellen, als würde man eine Tür leise schliessen, statt sie zuzuschlagen.

Ein paar praktische Grenzen setze ich allerdings. Wurzeln von offensichtlich kranken Pflanzen lasse ich nicht zurück: etwa bei Kohlhernie an Kohlpflanzen, von Kraut- und Braunfäule geschädigten Tomaten oder allem anderen, was deutlich auf ein Problem hindeutet. Diese Pflanzen kommen weit weg von den Beeten oder in die kommunale Grünabfallsammlung. Auch mehrjährige Unkräuter mit Wurzelausläufern ziehe ich heraus, etwa Quecke, Winde und Distel. Das sind keine Wurzeln, mit denen man das Bodensystem „füttern“ möchte.

Wir kennen wohl alle den Moment, in dem man versucht ist, einfach alles liegenzulassen und auf das Beste zu hoffen. Diese Methode ist keine solche Nachlässigkeit. Sie ist eine bewusste, informierte und selektive Form der Faulheit: Die richtigen Wurzeln übernehmen für einen die langsame Arbeit unter der Erde.

„Seit ich aufgehört habe, meine Beete zwanghaft zu ‚säubern‘, hat der Boden getan, was er schon die ganze Zeit versucht hatte: sich selbst zu heilen“, erzählte mir ein befreundeter Gemüsegärtner. „Ich musste ihm nur aus dem Weg gehen.“

  • Einjährige Gemüsepflanzen am Saisonende an der Basis abschneiden und ihre Wurzeln im Boden lassen.
  • Wurzeln eindeutig kranker Pflanzen entfernen und entsorgen, damit die Probleme nicht ins nächste Jahr mitgenommen werden.
  • Hartnäckige mehrjährige Unkräuter vollständig herausziehen, samt Wurzeln, statt ihre unterirdische Ausbreitung zuzulassen.
  • Eine dünne Mulchschicht über den abgestorbenen Wurzeln verteilen, um die Bodengemeinschaft zu schützen und zu ernähren.
  • Über ein oder zwei Saisonen beobachten, wie sich Bodenstruktur und Bodenleben in Beeten mit zurückgelassenen Wurzeln von vollständig geräumten Beeten unterscheiden.

Die stille Veränderung unter unseren Füssen

Hat man einmal erlebt, wie der eigene Boden weich wird, ohne dass man ihn mit doppeltem Umgraben bezwingen muss, lässt sich das kaum mehr übersehen. Plötzlich fällt auf, dass Regenwasser versickert, statt sich zu sammeln. Dass Pflanzen eine Trockenphase etwas länger überstehen. Und dass die Grabgabel mit weniger Kraft in die Erde gleitet. Das ist keine Zauberei, sondern eine Frage der Struktur: Unzählige winzige Hohlräume, die verrottete Wurzeln hinterlassen haben, sind mit Leben und Luft gefüllt statt mit Verdichtung und Frust.

Seien wir ehrlich: Niemand macht das wirklich jeden einzelnen Tag. Manche Saisonen sind hektisch, manche Beete werden in Eile leergerissen und manche Fehler wiederholen sich wie von selbst. Doch sobald man sich auch nur einmal bewusst dafür entscheidet, die Wurzeln im Boden zu lassen – selbst wenn es nur eine Reihe ist –, öffnet sich die Tür zu einer anderen Art des Gärtnerns. Einer, die mehr auf Biologie als auf rohe Kraft vertraut.

Vielleicht erzählt man am Ende dieselbe Geschichte wie ich: „Ich habe Pflanzenwurzeln nach der Ernte im Boden gelassen … und meine Erde hat sich ganz still um den Rest gekümmert.“

Wichtigster Punkt Einzelheiten Nutzen für die Leserinnen und Leser
Wurzeln im Boden lassen Pflanzen auf Bodenhöhe abschneiden und die Wurzeln unterirdisch verrotten lassen Verbessert die Bodenstruktur auf natürliche Weise, ohne mühsames Umgraben
Gezielt entfernen Kranke Pflanzen und hartnäckige mehrjährige Unkräuter herausziehen, gesunde einjährige Wurzeln zurücklassen Verringert das Krankheitsrisiko und fördert zugleich das Bodenleben
Mit Mulch unterstützen Eine leichte organische Abdeckung über den abgestorbenen Wurzeln ausbringen Verbessert die Feuchtigkeitsspeicherung und ernährt Bodenorganismen

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Magdalena Leitner

Magdalena Leitner ist Expertin für regionale Landwirtschaft und ländliche Gastkultur in Österreich. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte und Entwicklung des Zettler Hofs sowie mit regionalen Produkten und bäuerlichen Traditionen.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich Tomatenwurzeln nach der Ernte im Boden lassen?

Ja, sofern die Pflanzen gesund und frei von Kraut- und Braunfäule oder anderen schweren Krankheiten waren. Gab es Krankheitsprobleme, die gesamte Pflanze samt Wurzeln entfernen und nicht auf dem eigenen Komposthaufen entsorgen.

Führt das Zurücklassen von Wurzeln zu mehr Schädlingen?

Im Allgemeinen nicht. Die meisten Schädlinge nutzen Blätter und Früchte, keine abgestorbenen Wurzeln. Verrottende Wurzeln ernähren vor allem Mikroorganismen und Regenwürmer, die die Bodengesundheit verbessern und Pflanzen helfen, Schädlingen zu widerstehen.

Funktioniert das auch in Lehmböden?

Ja, gerade bei schwerem Lehmboden ist es besonders hilfreich. Die Wurzeln schaffen Kanäle, die dichte Schichten mit der Zeit auflockern, sodass Luft und Wasser leichter hindurchgelangen.

Wie lange brauchen Wurzeln, um sich zu zersetzen?

Feinwurzeln können sich innerhalb weniger Monate abbauen. Dickere Wurzeln brauchen möglicherweise ein Jahr oder länger, werden beim Verrotten aber nach und nach Teil der Bodenstruktur.

Kann ich direkt in ein Beet mit alten Wurzeln säen?

Meistens ja. Die meisten Wurzeln, die sich gerade zersetzen, stören die Aussaat nicht. Trifft man beim Ziehen einer Saatfurche auf eine dicke Wurzel, schiebt man sie einfach mit den Fingern oder einem kleinen Werkzeug zur Seite und macht weiter.

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