Eine der trockensten Regionen der Erde entwickelt sich durch ein langfristiges, groß angelegtes Baumpflanzprogramm zu einer Kohlenstoffsenke: Sie nimmt mehr Treibhausgase auf, als sie ausstößt.
Dahinter stehen fast fünf Jahrzehnte Arbeit an den Rändern der Taklamakan-Wüste im Nordwesten Chinas. Das Ergebnis zeigt, dass solche Aufforstungsprojekte bei ausreichender Finanzierung und stabilen Bedingungen nach manchen Maßstäben erfolgreich sein können.
Aufforstung an der Taklamakan-Wüste
Ein Forschungsteam aus den USA und China untersuchte die Veränderungen an den Wüstenrändern. Dafür modellierten die Wissenschafterinnen und Wissenschafter Satellitensensordaten aus mehreren Jahren und analysierten die CO₂-Konzentration, die Vegetationsbedeckung und die Wetterverhältnisse.
Große tropische Wälder wie der Amazonas ziehen als Kohlenstoffsenken leicht die Aufmerksamkeit auf sich. Ergebnisse wie diese unterstreichen jedoch, welchen Beitrag auch kleinere Streifen aus Bäumen und Sträuchern leisten können. Die Forschenden halten es für möglich, andere Wüsten auf ähnliche Weise zu verändern.
„Das ist kein Regenwald wie im Amazonasgebiet oder im Kongo“, sagt King-Fai Li, Atmosphärenwissenschafter an der Universität von Kalifornien in Riverside. „Manche aufgeforsteten Gebiete bestehen nur aus Strauchland wie dem Chaparral in Südkalifornien.“
„Aber dass sie überhaupt CO₂ aufnehmen und das beständig tun, ist etwas Positives, das wir aus dem Weltraum messen und überprüfen können.“
Das Forschungsteam bezeichnet die Taklamakan-Wüste als „biologische Leere“ und als „hyperaride Umgebung“. Damit betont es die Härte des Klimas in dem rund 337.000 Quadratkilometer großen Gebiet, das etwa drei Viertel der Fläche Kaliforniens umfasst.
Neuere Erkenntnisse legen nahe, dass Wüsten Kohlenstoffsenken sein können. Allerdings wirken dabei zahlreiche Einflussgrößen zusammen, von den Wetterverhältnissen bis zur Bewegung des Sandes.
Kohlenstoffaufnahme und weitere Vorteile
Obwohl nur an den Rändern der Taklamakan-Wüste Bäume gepflanzt wurden, scheint dies die Kohlenstoffbilanz deutlich zu beeinflussen. Die erhobenen Daten zeigen, dass die Wüstenregion insgesamt zunehmend Kohlenstoff aufnimmt. Das gilt besonders während der Regenzeit von Juli bis September und dort, wo Bäume wachsen.
Das Aufforstungsprogramm bringt weitere Vorteile: Es hat die Winderosion gebremst, Sandstürme seltener und weniger heftig gemacht und örtliche Landwirtschaftsflächen geschützt.
Das Vorhaben rund um die Wüste ist Teil des Drei-Norden-Schutzwaldprogramms und soll voraussichtlich bis 2050 fortgesetzt werden. Das übergeordnete Ziel besteht darin, die Waldbedeckung in 13 Provinzen Nordchinas von 5,05 Prozent auf 14,95 Prozent zu erhöhen.
„Selbst Wüsten sind nicht hoffnungslos“, sagt Li. „Mit der richtigen Planung und Geduld lässt sich das Leben in die Landschaft zurückbringen und uns damit helfen, etwas leichter zu atmen.“
Grenzen der Kohlenstoffsenke
Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Ränder der Taklamakan-Wüste besondere Merkmale aufweisen. Deshalb wird dieser Ansatz nicht zwangsläufig überall funktionieren: Die umliegenden Berge liefern abfließendes Regenwasser für die Bäume.
Derzeit ist die Kohlenstoffaufnahme zudem nicht sehr groß. Selbst wenn die gesamte Taklamakan-Wüste mit grünem Wald bedeckt wäre, könnten damit möglicherweise nur etwa 60 Millionen Tonnen Kohlendioxid ausgeglichen werden. Dem stehen weltweite Emissionen von ungefähr 40 Milliarden Tonnen pro Jahr gegenüber.
Dennoch macht jede Kohlenstoffsenke einen Unterschied. Da die Überlastung der Atmosphäre mit Kohlenstoff zunehmend Besorgnis auslöst, gibt die Forschung Anlass zur Hoffnung auf Maßnahmen, die künftig ergriffen werden können.
Studien zeigen, dass zahlreiche Kohlenstoffsenken infolge des Klimawandels in den kommenden Jahrzehnten aufhören könnten, Kohlenstoff aufzunehmen, und stattdessen das Problem verstärken könnten. In manchen Regionen hat sich die Bilanz bereits umgekehrt. Gegenmaßnahmen sind daher dringend nötig.
„Wir werden die Klimakrise nicht allein dadurch lösen, dass wir Bäume in Wüsten pflanzen“, sagt Li.
„Aber es ist entscheidend zu verstehen, wo und wie viel CO₂ unter welchen Bedingungen aufgenommen werden kann. Das ist ein Teil des Puzzles.“
Die Forschungsarbeit wurde in PNAS veröffentlicht.






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