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Asiatische Hornisse: Wie KI und Mini-Sender Bienen schützen

Mann untersucht eine große Wespe an einem Tisch mit Tablet und Skizzen vor Bienenstöcken im Freien.
In diesem Artikel
  1. Warum die Asiatische Hornisse für Bienen so gefährlich ist
  2. Der Schlüssel zur Bekämpfung: das Nest finden
  3. KI-Fallen erkennen die Hornisse selbstständig
  4. Mini-Sender auf Hornissen: mit GPS zum Nest
  5. Die Rolle der Bevölkerung: Meldungen sind besonders wertvoll
  6. Risiken, offene Fragen und Ausblick

Moderne Technik gegen einen neuen Plagegeist: Forschung, Imkerei und Behörden setzen auf digitale Mittel, um eine eingeschleppte Hornissenart unter Kontrolle zu bringen.

In zahlreichen Teilen Europas breitet sich eine invasive Hornisse rasch aus und bedroht ganze Bienenvölker. Herkömmliche Fallen und Ferngläser genügen schon lange nicht mehr. KI-gestützte Fallen, Mini-Sender und ausgeklügelte Ortungsverfahren sollen nun helfen, die Nester zu finden und gezielt zu entfernen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem auch unsere Ernährungssicherheit auf dem Spiel steht.

Warum die Asiatische Hornisse für Bienen so gefährlich ist

Die Asiatische Hornisse ist eine besonders erfolgreiche Jägerin. Schon ein einzelnes Tier kann in kurzer Zeit viele Bienen vor einem Bienenstock abfangen. Mitunter patrouillieren ganze Gruppen vor den Fluglöchern, bis das Bienenvolk regelrecht zusammenbricht: Seine Arbeiterinnen trauen sich nicht mehr hinaus.

Das beobachten Imkerinnen und Imker mittlerweile in vielen Gegenden. In einem französischen Département nahm die Zahl der gemeldeten Nester binnen zwei Jahren von einigen Dutzend auf mehrere Hundert zu. Gleichzeitig gingen dort im Jahr 2024 schätzungsweise rund 20 Prozent der Honigbienen auf das Konto dieser Hornissenart.

Die Folgen betreffen weit mehr als die Honigproduktion. Bienen bestäuben Obstbäume, Gemüsepflanzen und Wildblumen. Brechen ihre Bestände ein, gerät das ökologische Gleichgewicht insgesamt ins Wanken. Das wirkt sich auf Ernteerträge, Artenvielfalt und letztlich auch auf die Preise im Supermarkt aus.

Der Schlüssel zur Bekämpfung: das Nest finden

Das Nest ist die eigentliche Schwachstelle der Hornisse. Solange es besteht, entstehen dort weitere Arbeiterinnen und später Jungköniginnen. Diese verteilen sich im Herbst und gründen im folgenden Jahr neue Kolonien. Fachleute sehen daher eine zentrale Aufgabe:

„Wer diese Hornisse stoppen will, muss ihre Nester aufspüren – früh, schnell und möglichst vollständig.“

In der Praxis ist das schwieriger, als es klingt. Häufig befinden sich die Nester hoch oben in Bäumen, in dichtem Heckengehölz oder an schlecht erreichbaren Teilen von Gebäuden. Obwohl sie einen Umfang von mehreren Metern erreichen können, bleiben sie im Bewuchs lange verborgen.

Wo klassische Methoden an ihre Grenzen kommen

Imkereien und Gemeinden griffen zunächst zu vergleichsweise einfachen Hilfsmitteln:

  • Wärmebildferngläser: Sie sollen die warmen Nester im Blätterdach erkennbar machen. Allerdings sind sie kostspielig und liefern über grössere Entfernungen nicht immer verlässliche Ergebnisse.
  • Lockköder und Beobachtung: Süsse Flüssigkeiten locken die Hornissen an. Danach versuchen Imkerinnen und Imker, den ungefähren Standort des Nests aus Flugrichtung und Rückkehrzeit abzuleiten.

Beide Verfahren beanspruchen viel Zeit und Personal. Wo pro Saison Hunderte Nester auftreten, lassen sie sich kaum flächendeckend anwenden. An diesem Punkt setzt eine neue Generation technischer Hilfsmittel an.

KI-Fallen erkennen die Hornisse selbstständig

Mehrere Projekte entwickeln intelligente Fallen mit Kameras und künstlicher Intelligenz. Die Software soll automatisch feststellen, ob es sich um die invasive Hornissenart handelt, sodass nicht mehr jeder Fang mit freiem Auge geprüft werden muss.

Der praktische Ablauf sieht etwa so aus:

  • Ein süsser Lockstoff in der Falle zieht unterschiedliche Insekten an.
  • Eine kleine Kamera nimmt jedes Tier auf, das hineinkrabbelt oder hineinfliegt.
  • Eine KI wertet Gestalt, Färbung und Grösse aus und bestimmt die Art des Insekts.
  • Nur bei einer eindeutigen Erkennung der Asiatischen Hornisse erhalten Imkereien oder Behörden eine automatische Benachrichtigung.

Das verringert den Aufwand erheblich. Viele Fallen stehen an weit entfernten Orten und könnten andernfalls nur gelegentlich kontrolliert werden. Zugleich nimmt die Genauigkeit zu: Die KI wird mit Zehntausenden Vergleichsbildern trainiert und erkennt typische Merkmale wie die dunklere Grundfärbung und die charakteristische gelbe Binde zuverlässig.

Was KI bei der Hornissensuche konkret übernimmt

Die künstliche Intelligenz erfüllt dabei mehrere Aufgaben:

  • Arterkennung in Echtzeit: Bilddaten werden unmittelbar vor Ort oder über eine Verbindung zu einem externen Datenspeicher ausgewertet.
  • Datenanalyse: Angaben aus vielen Fallen und Regionen zeigen Schwerpunkte und Ausbreitungswege.
  • Priorisierung: Einsatzteams können gezielt jene Orte anfahren, an denen ein Nest besonders wahrscheinlich ist.

Mit einer grösseren Zahl eingesetzter Fallen lassen sich die Wanderbewegungen der Hornissen besser verfolgen. Auf dieser Grundlage entstehen Karten, auf denen Bezirke Gefahrengebiete kennzeichnen und Vorbeugungsmassnahmen planen können.

Mini-Sender auf Hornissen: mit GPS zum Nest

Ein besonders spektakulärer Bestandteil der neuen Ausrüstung ist winzige Ortungstechnik, die direkt an einzelnen Hornissen befestigt wird. Das Verfahren ähnelt der Wildtierforschung, allerdings in Miniaturform.

In Pilotprojekten laufen die Schritte ungefähr so ab:

  • Eine Falle fängt Hornissen lebend.
  • Zur möglichst stressarmen Handhabung werden die Tiere mit CO₂ kurz betäubt.
  • Auf den Rücken der betäubten Hornissen wird jeweils ein kleiner Sender geklebt.
  • Sobald sie wieder erwachen, fliegen sie zum Nest zurück und werden anhand von Funk- oder GPS-Signalen verfolgt.

Der Sender arbeitet nur wenige Stunden. Meist genügt das aber, um das Nest in der Umgebung aufzuspüren. Mit einem Handempfänger oder einer speziellen Antenne verfolgen die Suchenden den Flugweg, bis sich das Signal verdichtet. Anschliessend kommt ein Team, das das Nest fachgerecht entfernt.

„Mit jedem georteten Nest nehmen Einsatzkräfte gleich eine ganze Hornissen-Kolonie aus dem Spiel – nicht nur ein einzelnes Insekt.“

Vorteile und Grenzen der Sendertechnik

Das Verfahren ist wirksam, aber aufwendig und mit mehreren Schwierigkeiten verbunden:

  • Hohe Kosten: Die robusten, leichten Sender sind Spezialanfertigungen und entsprechend teuer.
  • Begrenzte Laufzeit: Weil die Batterien nur einige Stunden halten, bleibt für die Ortung wenig Zeit.
  • Verlust des Senders: Nach dem Einsatz kann die Technik nicht immer wieder eingesammelt werden.
  • Fachpersonal erforderlich: Sowohl die Betäubung mit CO₂ als auch die Entfernung des Nests müssen geschulte Personen übernehmen.

Dennoch betrachten viele Fachleute die Verbindung von KI-gestützter Erkennung und Senderortung als entscheidenden Fortschritt. Aus einer mühsamen Suche wird damit ein gezielter Einsatz.

Die Rolle der Bevölkerung: Meldungen sind besonders wertvoll

Technik allein kann das Problem nicht lösen. In mehreren Ländern gibt es inzwischen Meldeportale und Anwendungen, über die Bürgerinnen und Bürger verdächtige Nester fotografieren und melden können. Eine Fachstelle begutachtet die Aufnahmen und legt die Reihenfolge der Einsätze fest.

Im deutschsprachigen Raum zeichnen sich vergleichbare Vorgehensweisen ab. Gemeinden und Naturschutzverbände bitten darum, ungewöhnlich grosse Nester zu melden, statt sie selbst zu entfernen. Das gilt besonders für Nester in Baumkronen oder hoch an Gebäuden. Ein unsachgemässer Eingriff kann gefährlich sein und ausserdem dazu führen, dass das Nest nur teilweise zerstört wird und die Kolonie ihren Standort verlagert.

Warum ungezielte Bekämpfung mehr schadet als hilft

Aus Verzweiflung greifen viele Menschen zu starken Insektiziden oder stellen selbst gebaute Fallen auf. Das hat aus mehreren Gründen nachteilige Folgen:

  • Breit wirkende Gifte schädigen auch heimische Hornissen- und Wespenarten, die ökologisch nützlich sind.
  • Auf längere Sicht gelangen Rückstände in Böden und Gewässer.
  • Nicht zielgerichtete Fallen fangen zahlreiche harmlose Insekten, darunter Wildbienen und Schwebfliegen.

Fachleute warnen: Wer einfach „draufhält“, vernichtet gerade jene Insektenvielfalt, die geschützt werden soll. Als sinnvollerer Weg gelten daher gezielte Massnahmen, die auf Daten und Technik beruhen.

Risiken, offene Fragen und Ausblick

Auch technisch hoch entwickelte Lösungen lassen Fragen offen. Was geschieht mit Sendern, die im Ökosystem zurückbleiben? Wie lässt sich verhindern, dass persönliche Bewegungsdaten mit Funksignalen vermischt werden? Und wie kann sichergestellt werden, dass KI-Modelle heimische Arten nicht für die invasive Hornisse halten?

Fachleute verlangen klare Standards:

  • Sender sollen sich nach kurzer Zeit selbst abschalten oder biologisch abbauen.
  • Die Daten müssen strikt auf die Erkennung der Art und die Ortung von Nestern beschränkt sein.
  • KI-Modelle benötigen offene, überprüfbare Trainingsdaten, damit Fehlklassifikationen vermieden werden.

Daneben untersuchen Forschungsprojekte weitere Verfahren: Drohnen mit Wärmebildkameras könnten Waldgebiete abfliegen, während spezielle Lockstoffe nur auf die invasive Hornisse wirken sollen. Diskutiert werden auch Zuchtprogramme für besonders widerstandsfähige Honigbienen sowie angepasste Bienenbeuten, in denen sich die Tiere besser gegen Angriffe verteidigen können.

Für Imkerinnen und Imker im deutschsprachigen Raum bedeutet das eine zusätzliche Herausforderung: Neben Varroamilben, wechselnden Wetterextremen und Pflanzenschutzmitteln müssen sie sich zunehmend auch mit dieser Hornisse befassen. Schulungen, regionale Frühwarnsysteme und Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen gewinnen deshalb an Bedeutung.

Der Kampf gegen die invasive Hornisse ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf. KI, Mini-Sender und digitale Meldesysteme verbessern die Chancen, dass Bienen, Wildinsekten und Landwirtschaft dennoch eine gemeinsame Zukunft haben – mit möglichst wenig Gift und möglichst hoher Präzision.

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Magdalena Leitner

Magdalena Leitner ist Expertin für regionale Landwirtschaft und ländliche Gastkultur in Österreich. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte und Entwicklung des Zettler Hofs sowie mit regionalen Produkten und bäuerlichen Traditionen.

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