Alte Bäume in Japan müssen Bauvorhaben für Strassen, Gebäude oder andere Anlagen nicht immer weichen. Bei manchen Projekten bereiten Baumpfleger ihre Wurzeln über Monate vor und versetzen die Bäume auf ein anderes Grundstück. So bleiben Teile der Landschaft, der Artenvielfalt und der mit dem Ort verbundenen Erinnerung erhalten.
Warum werden alte Bäume in Japan bei Bauarbeiten erhalten?
Ausgewachsene Bäume spenden Schatten, speichern Kohlenstoff und bieten Tieren Lebensraum. Ausserdem prägen sie die Identität von Strassen, Tempeln und Gärten. Hat ein Baum einen historischen, kulturellen oder landschaftlichen Wert, kann vor der Genehmigung seiner Fällung eine Verpflanzung geprüft werden.
Das heisst jedoch nicht, dass jeder Baum auf einer Baustelle versetzt wird. Ob der Umzug technisch machbar ist, hängt von der Art und dem Alter des Baumes, dem Zustand seines Stammes, der Ausdehnung der Wurzeln, der Entfernung zum neuen Grundstück und den Kosten ab.
Wie funktioniert Nemawashi vor dem Verpflanzen?
Nemawashi bezeichnet eine traditionelle Methode zur Vorbereitung der Wurzeln. Übersetzen lässt sich der Begriff etwa mit dem Bearbeiten oder Ordnen des Bereichs um die Wurzeln. In der japanischen Arbeitswelt steht er inzwischen auch dafür, eine Veränderung vor ihrer Umsetzung sorgfältig vorzubereiten.
- Vor den Grabungsarbeiten wird der Boden rund um den Stamm untersucht.
- Ein Teil der langen Wurzeln wird gezielt durchtrennt.
- Das Wachstum feiner Wurzeln näher am Stamm wird angeregt.
- Während der Vorbereitung werden die Feuchtigkeit und der Zustand der Baumkrone kontrolliert.
- Die Grösse des Wurzelballens richtet sich nach der Baumart und den Ausmassen des Baumes.
Warum dauert die Vorbereitung der Wurzeln Monate?
Ein grosser Baum braucht ein weitreichendes Wurzelnetz, um Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Würde er auf einmal aus dem Boden gehoben, könnte ein grosser Teil dieses Systems verloren gehen. Ein Verpflanzungsschock, Austrocknung oder mangelnde Standfestigkeit wären mögliche Folgen.
Durch die schrittweise Vorbereitung können innerhalb des später transportierten Bereichs neue, kleinere Wurzeln wachsen. Beim Ausheben bleiben dadurch mehr Erde und Strukturen im Wurzelballen erhalten, die den Baum bei der Anpassung an seinen neuen Standort versorgen können.
Wie gelangt ein grosser Baum auf ein anderes Grundstück?
Nach der Vorbereitung graben Baumpfleger den Wurzelballen rundherum frei und sichern ihn, damit er nicht auseinanderfällt. Für grössere Bäume braucht es Maschinen, Seile, Stützkonstruktionen und Kräne, die das Gewicht verteilen können, ohne den Stamm zu brechen oder die Wurzeln zu zerdrücken.
- Der neue Standort wird vorbereitet, bevor der Baum ausgehoben wird.
- Eine Umhüllung schützt die Wurzeln und hält die Feuchtigkeit im Ballen.
- Empfindliche Äste können angebunden werden, um Schäden zu vermeiden.
- Spezielle Geräte heben den Baum an und transportieren ihn.
- Nach dem Wiedereinsetzen werden Bewässerung, Abstützung und Kontrolle fortgesetzt.
Verpflanzen verbindet Erhaltung mit Stadtplanung
Einen hundertjährigen Baum zu versetzen, erfordert monatelange Arbeit und garantiert sein Überleben nicht. Bodenverhältnisse, Klima, Entwässerung und spätere Pflege beeinflussen die Erholung. Deshalb müssen Baumpfleger, Ingenieure und die Verantwortlichen des Stadtplanungsprojekts an der Entscheidung beteiligt sein.
Ist das Verfahren umsetzbar, zeigt das Verpflanzen ausgewachsener Bäume, dass sich ein Bauvorhaben umgestalten lässt, um lebendige Landschaftselemente zu erhalten. Statt den Baum sofort als Hindernis zu betrachten, berücksichtigt die Planung seine Wurzeln, seine Geschichte und die Zeit, die er braucht, um anderswo weiterzuwachsen.






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